10 Fragen an... Peter Klien

10 Fragen an… Peter Klien

 

  1. Sie sind nicht nur Kabarettist und Comedy-Autor, sondern auch ein österreichweit bekannter Reporter. Zuvor waren Sie Lektor und Pressesprecher. Waren Sie immer schon an diesen Berufen interessiert? Falls nein, warum haben Sie sich trotzdem dafür entschieden?

Als Kind wollte ich zuerst Komiker werden, danach Pilot, dann Pfarrer und zuletzt Journalist. Irgendwie bin ich das alles ja auch geworden. Man hat halt in der Schule nur eine ziemlich ungefähre Vorstellung davon, was ein Beruf wirklich mit sich bringt. Auf jeden Fall habe ich mich immer sehr für Theater interessiert, und da besonders das Kabarett. Als ich dann älter geworden bin, sind Wissenschaft und Philosophie dazugekommen. Und die Politik.

 

  1. Was sind für Sie die schönen und die eher negativen Seiten an Ihrem Beruf?

Besonders schön finde ich, dass ich ziemlich frei darüber bestimmen kann, was ich machen möchte: ein Bühnenprogramm, eine Tour mit Auftritten in ganz Österreich, eine Reportage für das Internet, ein Buch schreiben oder gleich eine eigene Fernsehshow moderieren. Ich kann das alles selbst festlegen. Die negative Seite ist, dass ich bei der Vielfalt der Tätigkeiten aufpassen muss, dass ich vor lauter Arbeit nicht auf die Erholung vergesse. Aber ich denke, da geht es vielen Berufen ähnlich.

 

  1. Haben Sie sich das Berufsleben in Ihrem Beruf anders vorgestellt, als Sie es jetzt erleben? Falls ja, welche positiven oder negativen Unterschiede gibt es zwischen Vorstellung und Realität?

Bei mir war es ja nicht so, dass ich mir zuerst einen Beruf vorgestellt habe, dann die Ausbildung gemacht und danach den Beruf ergriffen habe. Bei Kabarettisten ist ja der Werdegang nicht ganz so klar vorgezeichnet wie z.B. bei Busfahrern. Dazu kommt, dass ich ja einige andere Berufe ausgeübt habe, bevor ich mit dem Kabarett angefangen habe. Insofern bin ich eher von einem ins andere gekommen. Was ich mir auf jeden Fall anders vorgestellt habe: Ich hätte nie gedacht, dass ich mit meiner Art von Satire derart viel Erfolg haben könnte. Trotzdem ist einiges auch so, wie ich es mir erwartet habe: zum Beispiel dass es wirklich sehr schön ist, wenn man auf der Bühne steht und der ganze Saal klatscht vor Begeisterung. :-)

 

  1. Inwiefern sind Sie durch die Corona-Pandemie eingeschränkt?

Corona ist für mich sowohl als Reporter als auch als TV-Moderator und Kabarettist keine leichte Zeit. Als Reporter leide ich darunter, dass es so gut wie keine Events gibt, die ich besuchen könnte. Opernball und Kitzbühel sind heuer ausgefallen. Dazu finden fast keine politische Veranstaltungen statt. Die traditionellen Aschermittwochsreden etwa sind entfallen. Sogar der Wahlkampf für die Wien-Wahl letzten Oktober hat vor allem im Internet stattgefunden. Und am Wahlsonntag durfte ich wegen Corona nicht ins Wiener Rathaus und konnte daher keine Reportage gestalten. Zu allem Überdruss sind auch noch alle Bühnen geschlossen – an Kabarettauftritte ist derzeit also auch nicht zu denken.  

 

  1. Die Sendung „Gute Nacht Österreich“, die Sie moderierten, wurde dieses Jahr abgesetzt. Glauben Sie, dass Österreich mit einer solch satirischen und kritischen Sendung nicht zurechtkommt? Wie sehen Ihre nächsten Projekte aus?

Das ist eine gute Frage. Was sicher stimmt, ist, dass die Politiker nicht begeistert sind, wenn man sich im Fernsehen allzu kritisch mit ihnen beschäftigt. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass Österreich gute Satire unbedingt benötigt. Insofern mache ich jetzt einmal ein paar Wochen Pause – und dann wird sich schon zeigen, wie es am besten weitergeht. Und ich kann schon jetzt versprechen: Ich bleibe dran!
 

  1. Wenn Sie auf Ihre Schulzeit zurückblicken, was waren die schönen und die eher negativen Seiten?

Wir hatten eine sehr gute Klassengemeinschaft. Haben miteinander Streiche ausgeheckt oder waren zusammen Schifahren oder am Meer – ganz abseits von der Schule. Daran erinnere ich mich gern zurück. Darum bin ich auch heute noch mit einigen Klassenkollegen in Kontakt. Und wenn wir Maturatreffen haben, sind das immer sehr, sehr nette Abende. Als negativ in meiner Schulzeit habe ich die Pubertät empfunden: Wenn sich Dein ganzes bisheriges Leben auf den Kopf stellt und Du überhaupt nicht mehr weißt, was richtig ist und was falsch, wer Du bist, was Du sein willst und wie das alles weitergehen soll – das hab‘ ich sehr anstrengend gefunden. Aber vermutlich ist das heutzutage nicht anders… ;-)

 

  1. Welche Bedeutung hat und hatte in Ihrem Leben bisher das Lernen?

Leben ist Lernen. So einfach ist das. Man kann sich nur weiterentwickeln oder zurückfallen. Das Schöne dabei: Lernen macht Spaß. Ist es nicht großartig, wenn man anfängt, die Dinge zu durchschauen? Und je mehr wir durchschauen, umso mehr finden wir, das wir noch nicht durchschauen. Daher gibt es kein Ende für das Lernen. Und umso schöner: Wissen ist ein Rausch.

 

  1. Welche Tipps könnten Sie uns SchülerInnen anhand Ihrer bisherigen Laufbahn geben?

Ich denke, es ist wichtig, auf die innere Stimme zu hören. Man sollte sich nicht für einen Beruf entscheiden, weil man davon Ansehen oder Reichtum erhofft. Das führt zu innerer Leere und Enttäuschung. Man sollte – wenn es sein muss, durch Ausprobieren – herausfinden, was einem wirklich Freude bereitet, und dann versuchen damit Geld zu verdienen.

 

  1. Welche Hobbys haben Sie, falls Ihnen neben Ihren zeitintensiven Recherchen noch Spielraum bleibt?

Der Spielraum wird derzeit leider auch durch Corona beschränkt. Aber ich spiele gerne Fußball und schaue mir ebenso gerne Matches an. Gehe gern wandern oder spazieren. Lese viel. Treffe gern Freunde.

 

  1. Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Dort, wo ich mich jetzt auch schon sehe: im Spiegel.
 

 

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