10 Fragen an... Prof. Huber

  1. Wie würden Sie sich in 3 Worten beschreiben?

So etwas ist bei mir prinzipiell nicht möglich, ich würde aber beginnen mit: offen, verspielt, interessiert, …

 

  1. War Lehrer immer schon Ihr Berufswunsch? Falls nein, warum haben Sie sich dazu entschlossen, Lehrer zu werden?

Also, ehrlich gesagt, bis zur Matura habe ich mir da nicht wirklich Gedanken gemacht. Die vermutlich wichtigsten Gründe waren: Ich habe als Schüler nach meinem Schulwechsel zum BORG St. Pölten das kreative und offene Klima dort sehr genossen und fand die Arbeit mit Jugendlichen spannend. Dazu habe ich damals jede Art von „Schreibtischjob“ abgelehnt und für einen Arzt hielt ich mich ungeeignet, weil ich immer kalte Hände hatte.

 

  1. Haben Sie sich das Lehrerdasein anders vorgestellt, als Sie es jetzt erleben? Falls ja, welche positiven oder negativen Unterschiede gibt es zwischen Vorstellung und Realität?

Meine Vorstellung vom Lehrerberuf war geprägt von meinen Eindrücken als Schüler im Unterricht, die waren durchaus realistisch. Was man aber als Schüler nicht sieht, sind die vielfältigen administrativen und organisatorischen Herausforderungen (Verwaltungskram, Schulaufsicht, Eltern, Fortbildung, Veranstaltungen). Und den Zeitaufwand für das Korrigieren, das kann nerven …

 

  1. Wenn Sie auf Ihre eigene Schulzeit zurückblicken, wollen Sie etwas anders oder vielleicht besser machen als Ihre LehrerInnen? Falls ja, was?

Zuerst wollte ich es lustvoller, abwechslungsreicher und moderner als manche meiner Lehrer/innen machen. Inzwischen bin ich schon froh, wenn ich es gleich gut schaffe …

 

  1. Sie sind Mitglied des SGA und Initiator des Mediendesign-Zweiges. Wofür wollen Sie sich in diesen Bereichen besonders einsetzen?

Nur „Mit“-Initiator … Die Schüler/innen sollen mitbekommen, dass es überall im Leben Gestaltungsspielraum gibt, dass man immer auch selbst ein Stück mitverantwortlich ist. Das gilt für das Schulleben im SGA und auch für die Zweigentwicklung. Wenn man in Entscheidungen eingebunden ist, identifiziert man sich stärker damit, ist motivierter und profitiert mehr davon. Mein Ziel bei der Zweigentwicklung ist es, die Erwartungen der Interessenten mit dem real Machbaren zusammenzubringen. Da gibt es noch einiges zu tun …

 

  1. Wie geht es Ihnen mit E-Learning und Homeschooling?

An Herausforderungen kann man wachsen. Ich habe im letzten Jahr viel gelernt, nicht nur in technischer Hinsicht, auch über mich und wie stark Lernprozesse vom Lernumfeld abhängen.
Aber ganz ehrlich: Mir hängt das „Distance Learning“ schon zum Hals heraus und ich genieße jede Präsenz-Stunde!

 

  1. Sie sind Mitglied des Gesangsquartetts „Vokalverschnitt“. Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Leben?

Ein Leben ohne Unterricht kann ich mir vorstellen, ein Leben ohne musikalische Aktivitäten nicht. Das liegt vielleicht daran, dass ich mich die ersten Jahrzehnte meines Lebens stark auf Wissen, Denken und Handeln konzentriert habe und in den letzten Jahrzehnten um einen Ausgleich mit Intuition, Emotion und Beziehung bemühe. Beide Bereiche sind wichtig. Beim Musizieren mit anderen steht bei mir aber Letzteres im Vordergrund, da bin ich ganz bei mir und trotzdem in Beziehung. Darum geht’s doch: Sich harmonisch als Teil des Ganzen zu fühlen …

 

  1. Welche Bedeutung hat und hatte in Ihrem Leben bisher das Lernen?

Wenn man nicht mehr lernt, ist man (ab)gestorben (oder sitzt gerade vor dem TV). In meinem Leben hat sich ein Mix bewährt: Manches musste ich unfreiwillig lernen, anderes hat mich interessiert. Beides hat mir später geholfen. Richtig Freude am Lernen habe ich aber, wenn ich nicht unter Druck stehe. Es gibt da nämlich noch so viel Interessantes …

 

  1. Wenn Sie auf Ihre bisherige Laufbahn zurückblicken, welche Tipps könnten Sie uns SchülerInnen geben?

Keine Angst vor negativen Erfahrungen! Niederlagen können sich als Türöffner erweisen:
Z.B. habe ich als Kind, weil ich den Namen verwechselt habe, jahrelang ein ungeliebtes Instrument gelernt (und wenig geübt - die armen Lehrerinnen!), das hat aber mein Gehör, meine Feinmotorik und mein Durchhaltevermögen gestärkt.
Dann bin ich im Gymnasium durchgefallen. Beim Wiederholen im BORG (wo sonst?) aber habe ich nicht nur viel tiefere Freundschaften geschlossen als vorher, sondern bin auch persönlich erst richtig aufgeblüht.
Ich musste schon früh eine Brille tragen (das war damals noch nicht so sexy wie heutzutage). In der Schule war ich nicht „cool“, eher ein Außenseiter. Also war ich auf wenigen Partys, aber dafür gut in Mathematik. Und seit damals fühle ich mich für die Außenseiter immer ganz besonderes verantwortlich.

Alles im Leben hat also etwas Gutes und etwas Schlechtes. Ich finde, das kann man als Lebensaufgabe sehen: Versuchen, immer das Gute zu sehen und (wenn möglich) das Schlechte ein wenig besser zu machen.

 

  1. Wo sehen Sie sich in 10 Jahren?

Idealerweise genau da, wo ich jetzt bin, nur mit etwas weniger Stress. Aber das wird sowieso ganz anders :)

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