Death is upon us

 

Dear friend,

Caught in the net of the spider

Selfishness shall be punished

Death, burn in cider

You will be cherished

 

 

<>

 

Im güldenen Sonnenlicht, dessen Strahlen die Blätter der Bäume sanft streifte und die Blumen im Garten der Gelüste wuchsen, saßen sie im saftig grünen Gras, lachten und spielten wie es Kinder tun. Fasziniert von den Geschöpfen der Welt, gingen die Kinder in den strahlen der Sonne umher, suchten nach kleinen Tierchen, um sie in ihr großes Skizzenbuch zu zeichnen. Ein blondes Mädchen, gekleidet in weißem Kleid und schlicht geflochtenem Sommerhut, saß neben einem Jungen, dessen Kleidung ebenso elegant und förmlich wirkte. „Hey Tommy, glaubst du, dass Edwin trotzdem herkommt? Nach dem was passiert ist meine ich.“ Tommy, der im grünen Gras lag und die vereinzelten Wolken auf dem blauen Himmel betrachtete, richtete sich auf und drehte sich zu ihr. „Um ehrlich mit dir zu sein, ich weiß es wirklich nicht. Mein Vater meinte, dass er immer noch sehr, angeschlagen ist. Auch ihn, hat der Vorfall mit Vilhelm sehr mitgenommen. Sie waren schließlich beide in der Bibliothek, als das Feuer ausbrach und, du weißt schon...“, der 14-Jährige zögerte den Rest auszusprechen, überlegte für einen Moment, ob er es dennoch über seine Lippen bringen konnte. Doch Mariam kam ihm zuvor „Ja, ich weiß schon. Die Assassinen aus dem Morgenland. Übermenschen, solche die Friedrich Nietzsche damals in seinem Buch Thus Spoke Zarathustra im Jahr 1883 veröffentlichte.“ Mit verwirrtem Blick betrachtete er Mariam mit funkelnden Augen. „Ja, genau davon hatte ich sprechen wollen.“ Die 13-Jährige klappte mit gewisser Vorsicht ihr Skizzenbuch zu, erhob sich von der grünen Stelle und strich mit Vorsicht die Falten in ihrem Sommerkleid zurecht. „Wir sollten hinein gehen, Edgar wird sich noch Sorgen machen, wenn wir zu lange draußen bleiben.“, mit einem Lächeln reichte das blond-gelockte Mädchen dem Jungen ihre Hand, welche er grinsend entgegennahm und mit einem Ruck aufstand.

Je näher sie dem Anwesen, indem Tommy mit seinem Vater und dessen Bediensteten lebte, desto klarer konnte man die hinreißende Melodie eines Klaviers hören. Die sanften Töne, zogen die beiden förmlich an, Schritt vor Schritt kamen sie dem traurigen, aber beruhigenden Klang langsam näher, bis die beiden vor der großen Tür des Salons stoppten. Tommy öffnete langsam mit großer Vorsicht die Tür und erblickte seinen Vater in seinem großen roten Stuhl sitzend, eine Zigarre rauchend und der Musik des Klaviers lauschend, die von einer Frau mit schwarzem Haar gespielt wurde. „Vater?“ fragend trat der 14-Jährige zusammen mit Mariam in das Zimmer, die Melodie verstummte abrupt und Edgar sah zu seinem Sohn hinüber. Der in seinen mittleren Jahren angekommene legte seine Zigarre beiseite und erhob sich von seinem Stuhl und ging auf Mariam und Thomas zu „Thomas wie schön, dass du gerade jetzt zu mir kommst. Mariam meine Liebe, erzähl mir doch später, wie dir das Buch von Nietzsche gefallen hat, ja? Jetzt allerdings muss ich dich bitten, allein in der Bibliothek zu stöbern.“ Edgar lächelte freundlich, woraufhin Mariam nickte und durch eine Tür im Salon, in die Bibliothek verschwand. „Thomas, mein Sohn. Lass mich dir meine neue Arbeitskollegin vorstellen.“ Die Frau die auf dem alten Klavier gespielt hatte, stand auf, und glitt fast schon zu elegant über den frisch polierten Parkettboden des Salons. Ihr rotes bis zum Boden langes Kleid, war mit unzähligen Rüschen verziert gewesen. Die Frau wirkte wie eine fast schon surreale Gestalt, ein Hirngespinst der allerfeinsten Sorte, doch sie war Real. Ihre schmalen Lippen formten sich zu einem sanften Lächeln als sie Thomas ihre zierliche blasse Hand entgegenhielt. Thomas nahm die Hand der Frau, und küsste dessen Handrücken zurückhaltend zum Gruß. Während er die kalten Schmuckstücke ihrer Finger an seinem Kinn bei der Begrüßung fühlte, schaute er vorsichtig auf, immer noch lächelte sie. „Was für ein außerordentlich höflicher junger Mann du doch bist.“ Kam es von ihr nüchtern, der Teenager hatte bereits von ihr gehört, sie war gerade einmal 25-Jahre alt gewesen als sie einen stark umstrittenen Preis verliehen bekam, das war am Anfang des letzten Frühlings.

Thomas ließ nach einer gefühlten Ewigkeit ab, die beiden rot bedrohlich funkelnden Ohrringe die die Schwarzhaarige trug, ließen den Teenager erschaudern. „Anastasia, wird für längere Zeit bei uns Wohnen, solange die Studien von Vilhelm, Gott segne ihn, und die der meinen nicht beendet sind. Thomas es ist mir ein großes Anliegen, dass du zusammen mit dem jungen William eines Tages unsere harte Arbeit, die Erforschung der unbekannten Fähigkeiten von Menschen, weiter führst. Denk gut darüber nach, mein Junge, denn eines Tages wird nichts mehr von allem hier übrig sein, es sei denn jemand stellt sicher, dass alles so bleibt wie es ein soll.“ Thomas nickte, leicht betrübt und überfordert eine so große Verantwortung zu übernehmen, „Ich werde nach Maria sehen.“ Nachdenklich ging er durch die kleine Tür, durch welche Mariam zuvor verschwunden war, um nach dem Bücherwurm zu suchen. „Maria?“ hallte es durch die Reihen der Privatbibliothek des Doktors Edgar T. Canmore. „Ich bin hier!“, das Mädchen kam hinter einem der Bücherregale hervor. „Ist alles okay? Du wirkst ein bisschen blass.“ Mit besorgtem Lächeln drückte Mariam den 14-Jährigen ein Buch in die Hand, welches er für einen Moment anschaute, seine Miene verzog sich zu einem fragenden, sehr verwirrten Grinsen. „Was ist das?“ fragte er schließlich, doch Mariam schüttelte nur den Kopf und tippte leicht auf den leeren Bucheinband, „Das mein Lieber, ist ein Buch, und was genau darin beschrieben wird, das wirst du erfahren, wenn du es liest.“

Das Knarren der schweren alten Eingangstür konnte bis hinauf in die Bibliothek gehört werden, Mariams Lächeln verschwand langsam, als man die Tür zufallen hörte. In nur einem einzigen Augenblick, konnte Thomas den Schmerz und die Angst den Mariam versteckt gehalten hatte in dessen Augen erblicken. Schwungvoll drehte sie sich um, der geflochtene Hut fiel während der Umdrehung zu Boden, ihr weißes Sommerkleid schien an Pracht verloren zu haben, denn es war voll mit Flecken von dem saftig Grünen Gras des geheimen Gartens außerhalb der Villa. Sie ließ die eben noch durchgeblätterten Bücher plötzlich fallen und stürmte durch die geöffnete Bibliothekstür, durch die Gänge des Anwesens bis zu dem neobarockischen Treppenhaus, dort machte das Mädchen halt. Mariam schaute hinunter, dort stand er in schwarzem Hemd, mit weißer Krawatte und ordentlich gebügelten, schwarzen Hosen. Mit seinen dunkelbraunen, trüben Augen schaute er lustlos die antiken Nachbauten im hohen Treppenhaus an. Mariam biss sich auf ihre Unterlippe als ihr Tränen in die Augen stiegen und ein bedrückendes Gefühl in ihrer Brust sich langsam breit machte, ein Gefühl das sie niemals wieder hatte fühlen wollen doch unumgänglich war. „Edwin, du bist wieder da…“, der Name des jungen Mannes rutschte ihr von ihren sanften Lippen und hallte durch die letzten dunklen Ecken des Raumes. Ein leises Schluchzten folgte dem Namen den sie sich die letzten Monate nicht auszusprechen getraut hatte, wieder sagte sich den Namen des Jungens, etwas lauter als zuvor dennoch war die einzige Reaktion die sie bekam, ein verwirrter, leerer Blick des braunäugigen. Langsam ließ der Wuschelkopf seine leichte Tasche zu Boden gleiten, setzte einen Fuß nach den anderen und bewegte sich schlürfend die Treppen hinauf, wo Mariam zögerte sich dem 15-Jährigen zu nähern. Leicht nervös knackste sie ihre Fingerknöchel vorsichtig, bis der braunäugige junge Mann direkt vor ihr stand, sie sah zu ihm auf, musterte seine Augen in der Stille die zwischen den beiden herrschte. „Warum kommst du mir nur so bekannt vor?“, Edwins melancholischer Anblick schmerzte dem Mädchen, irritiert und verletzt von seinen Worten, nahm Mariam den silbernen Ring, den sie immer an ihrem Finger trug, ab und legte sie in die Hand des Teenagers. „Das ist eine lange Geschichte Ed…und dass hier, ist erst der Anfang. Pass gut auf den Ring auf hörst du?“, mit einem traurigen Lächeln im Gesicht wuschelte sie dem Jungen durchs Haar und unterdrückte die Worte die sie Edwin am heutigen Tage hatte mitteilen wollen.

 

 

Comments