Die Menschen

Höre dir für ein besseres Erlebnis der Geschichte am besten diese Musik an:

 

 

 

 

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„Manche Menschen in meinem Umfeld, ob ich sie nun länger kenne, oder nicht, sind für mich wie Schlösser. Und wenn sie auf den einen oder anderen noch so extrovertiert wirken mögen, ich sehe nur fortwährend die Verschlüsse in ihnen. Ob groß und von schwerem Metalle gefertigt oder klein und leicht vermag ich nicht zu sagen, aber ich weiß, dass sie für den Außenstehenden stets verschlossen bleiben. Sie haben vielstellige Zahlenkombinationen, oder aber auch nur einen dazugehörigen Schlüssel, und ohne diese sind sie unmöglich zu knacken. Ich bin mir darüber absolut im Klaren, dass es zu jedem Schloss die passende Öffnungsmethode geben muss. Wäre das nicht der Fall, würde das doch die Naturgesetze verletzen, oder? Es kann doch kein Schloss ohne Schlüssel existieren. Aber wo sind sie? Wo steckt der Schlüssel, oder ist er schon gefunden worden? Wenn ja, von wem? Und wo sind die Zahlenkombinationen zu finden? Haben sie die Schlossträger schon aufgeschrieben? Oder weiß sie jemand anderes? Vielleicht weiß sie der Schlossbesitzer ja selbst nicht...

Und was passiert, wenn das Schloss erst einmal geknackt ist? Was befindet sich dahinter? Freundschaft? Oder gar die Liebe? Komplizierter wird das Ganze wohl noch dann, wenn sich die Leute verlieben. Bald erscheint es, als würden die Menschen dabei versuchen, das Schloss für jemand anderes zu öffnen, bald erscheint es, als wollte der Verschluss von selbst auf- brechen und sie versuchten ihr Bestes, es verschlossen zu halten. Es scheint, als gingen die zwei so gegensätzlichen Dinge doch in die gleiche Richtung.

Doch täte ich mich gut daran, nicht alles in Schubladen zu stopfen, natürlich ist es viel komplexer als ein Schloss. Schlösser haben in der Regel nur einen Schlüssel oder eine Zahlenkombination, doch die Menschen scheinen eine ganze Reihe davon zu besitzen die alle völlig unterschiedliche Wirkungen zeigen. Mal ist das Schloss geöffnet, mal nur halb, und mal kann man sich gar nicht sicher sein. Und die Leute zeigen es selbst ja auch nicht, meistens, weil sie selber gar nicht wissen, wie das mit ihrem Schloss so ist. Es ist ihnen ihr eigener Verschluss zu komplex. Klingt doch fürchterlich eigenartig, wenn man es in solche Worte fasst, nicht?“,

denke ich während ich melancholisch aus dem Fenster schaue, und die kahlen Bäume des Jänners blicke. Wieso schwelge ich nur immerfort wieder in solchen Gedanken? Machen die

Schlussfolgerungen, die ich da denke überhaupt Sinn? Sind sie zielführend? Wahrscheinlich nicht. Aber es wäre doch ein schöner Gedanke, nicht?

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