Fridays For Future in Krems

 „Es geht um unsere Lebensgrundlage, um die unserer Kinder, unserer Enkelkinder und dafür müssen wir uns jetzt einsetzten“

Einer der Organisatoren

 

Seit schon mehr als einem Jahr protestiert die Bewegung Fridays for Future, um auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Auch in Krems finden sich jeden dritten Freitag im Monat Leute zusammen, um auf dem Marktplatz zu protestieren.
Jetzt nach dem Corona shutdown wird versucht, auch Änderungen für die Klimakrise durchzusetzen. Ich bin vorletzten Freitag auf den Marktplatz gegangen und habe OrganisatorInnen und TeilnehmerInnen von Fridays for Future Krems zu Forderungen, Protesten während dem Lockdown und persönlichem Bezug zur Bewegung befragt.

 Die Aktion der Woche ist ein Meer aus Schildern, dass an öffentlichen Plätzen aufgelegt werden soll. In sämtlichen Städten, auch Wien, werden Demonstrationsplakate aufgelegt. In Krems werden gerade Schilder bemalt und am Platz verteilt, als ich beim Marktplatz ankomme. Der Protest fordert einen Klima Corona Deal, der aus folgenden Punkten besteht:

 

1.   Die Zukunft der Menschen sichern

2.   Umbau statt Wiederaufbau - Staatshilfen an Erreichung des 1,5 Grad Ziels knüpfen

3.   Die Krise demokratisch bewältigen

4.   Globale Klimagerechtigkeit

 

Das System soll nachhaltig wiederaufgebaut werden, sonst kann es keine Lebensgrundlage für zukünftige Generationen darstellen.

 

 

„Wenn man ein renovierungsbedürftiges Haus hat, dass bei einem Erdbeben zusammenfällt, dann wird man es nicht wieder genauso aufbauen wie vorhin und sagen: Um den Umbau kümmere ich mich später“

Helga Kromp-Kolb

 

Während und nach der Corona Krise

 

Es hat sich während der Corona Krise gezeigt, dass in solchen Situationen schnell gehandelt werden kann und Unternehmen, Flugreisen und Veranstaltungen reguliert werden können. Seit Jahrzehnten wird von der Politik um die Klimakrise herum geredet und Aktionen aufgeschoben.

Während der Corona Krise konnte man auch beobachten, wie die Verkleinerung von zum Beispiel Kurzstreckenflügen sich auf Luftverschmutzung auswirken kann.

 

Corona hat in den letzten Monaten natürlich die Medienlandschaft dominiert und andere Themen wie eben die immer noch präsente Klimakrise aus dem Licht der Öffentlichkeit verdrängt.

Auch war es schwerer während dem Lockdown von zuhause aus über das Internet zu protestieren und Leute zu erreichen.  Laut einer der Organisatoren bekomme es auch mehr Aufmerksamkeit, Streiksprüche zu schreien, während ein Politiker vorbeikommt, als online an Sitzungen teilzunehmen und sich Vorlesungen anzuhören.

Die online Streiks seien intern hilfreicher gewesen, man habe sich mit gleichgesinnten mehr darauf konzentrieren können, was in der Bewegung wichtig wäre und wie man danach vorgeht.

Jetzt nach dem Shutdown werden auch mehr Krisengelder frei, die klimagerecht eingesetzt werden könnten und sollten, darauf wird auch von Fridays for Future gehofft.

 

Lokal und Global

 

Fridays for Future ist in Krems selbstverständlich kleiner als in Wien und kann daher nicht so viel alleine erreichen, wie alle Gruppen zusammen.

Es sei aber genauso wichtig lokal zu protestieren, wie global.

Viele kleine Proteste ergeben ein großes ganzes.. Es gibt Projekte, wie das Future Camp, die für ganz Österreich gelten, es werden aber auch in kleinen Orten Proteste organisiert.

 

Lokal kann man kleine Dinge machen, die sich dann aber, wenn sie überall gemacht werden, viel bewirken können. Man muss dafür Bewusstsein bei den Politikern schaffen, dass auch in Krems noch nicht wirklich da ist. Es kann helfen Fahrradwege zu bauen, auf die Bodenversieglung zu achten (Versieglung ist die zubetonierung von Flächen, aufgrund der kein Wasser mehr in den Boden rinnen, also absickern kann) Bäume zu pflanzen um Grünräume zu schaffen oder den Autoverkehr verringern. Das sind alles Dinge, die lokalpolitisch gemacht werden können und, wenn das mehr Städte machen, eine positive Auswirkung haben.

 

Fridays for Future Krems ist schon im Dialog mit dem Kremser Gemeinderat, und ist zuversichtlich, den Funken überspringen lassen zu können, sodass in Zukunft klimafreundliche Politik betrieben wird. Wichtig ist aber, dass den Worten Taten folgen müssen!

Es scheint, als wäre im letzten Jahr das Bewusstsein der Gesellschaft gestiegen. Auch wird in den Medien viel öfter über die Klimakrise, auch durch Fridays for Future, berichtet.

Auch durch die vermehrte Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf das Thema, hat sich in der Politik ein wenig getan. Die Regierung will momentan mehr Gelder in öffentliche Verkehrsmittel investieren. Allerdings heißt das nicht, dass viel mehr Geld dafür hergegeben wird, sondern, dass man das Thema auch marketingtechnisch in den Vordergrund rücken will, um die Allgemeinheit zufrieden zu stellen.

 

 

Was kann man machen?

 

Die Klimakrise wirkt vielleicht beängstigend und bedrückend, aber man muss jetzt etwas machen. Privat Bioprodukte zu kaufen und Müll zu trennen ist natürlich an sich gut, aber alleine darum geht es nicht. Es geht nicht wirklich darum sich selbst und andere einzuschränken – ich glaube, das wird oft missverstanden – es geht um größeres. Die Proteste gehen an die Politik, an die Wirtschaftsmächte, an Fluglinien, weil die können viel mehr auswirken. Es geht darum, dass in der Politik in dieser Krise viel zu wenig gemacht wird.

In der Woche vom 22 bis 29 Juni läuft deshalb ein Klimavolksbegehren, bei dem jede Person ab 16 beim Magistrat in Krems oder online per Handsignatur  unterschreiben kann.

https://klimavolksbegehren.at/

Als Privatperson kann man auch an Protesten teilnehmen, um zu zeigen, wie wichtig dieses Thema ist, allein kann man wenig erreichen, aber eine Bewegung kann zeigen, dass man für die Zukunft kämpfen muss.

In Krems gibt es immer wieder Klimaparaden, die nächste vermutlich im Herbst, bei denen man teilnehmen und ein Zeichen setzten kann.

 

„Das ist die größte Krise der Menschheit und die müssen wir gemeinsam lösen, und es hilft nicht nur, wenn jede Person allein das beste macht um das Klima zu schützen, sondern dafür braucht es Gesamtkonzepte, in der Politik.“

Für die TeilnehmerInnen ist es ein gutes Gefühl, auf den Protesten daran erinnert zu werden, dass es Gleichgesinnte gibt, die erkannt haben, dass es so nicht weitergehen kann.

 

Zitate von TeilnehmerInnen wie sie auf Fridays For Future gekommen sind und warum sie mitmachen:

 

 

“Man sammelt immer wieder neue Energie im Alltag, um was bewirken zu können und man bekommt auch Bestätigung, dass es viele Menschen interessiert und dass es doch Gleichgesinnte gibt.”

“Ich hab am Anfang immer gedacht, dass Fridays (For Future) nur aus Schülern besteht, die nicht in die Schule gehen wollen und die Klimakrise sozusagen dafür ausnutzen, dann habe ich aber relativ schnell gecheckt, dass das nicht so ist und dass das eigentlich die sind, dies verstanden haben und dann wollte ich mich auch engagieren, weil ich mir später nicht sagen möchte, dass ich nicht genug gemacht habe.”

Ich persönlich (die Autorin) habe auch schon an einigen Protesten teilgenommen, es ist wichtig etwas zu machen, denn die Zeit läuft uns schon lange davon. Man kann auf Proteste gehen, Petitionen unterschreiben, an Organisationen spenden, Aufmerksam machen, egal was, aber man muss etwas machen.

Ich bin froh, letzten Freitag bei dem Protest in Krems dabei gewesen sein zu können und mich mehr mit dem Problem beschäftigt zu haben. Es ist wichtig, in Zukunft mehr zu machen, damit wir diese Krise überstehen.

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