Gehen lernen ist einfach, die Schule nicht

Einen Fuß vor den anderen, langsam, Schritt für Schritt ans Ziel. Obwohl das Gehen noch nicht ganz so funktioniert und wir Kinder immer wieder hinfallen, sagen einem die Eltern oder Verwandten, dass man wieder aufstehen und weitergehen soll – ganz nach dem Motto „Hinfallen, aufstehen, Krone richten und weiter geht’s.“ …Doch sobald die Schule anfängt und du fällst, hilft dir keiner mehr auf und sagt, dass du weiter gehen sollst oder, dass es ok ist zu Fallen.

Von vielen konnte ich mir anhören, dass die 8te Klasse die beste und leichteste sei, jedoch ist dies überhaupt nicht meiner Wahrnehmung entsprechend. In diesem Schuljahr bin ich so oft gefallen und jedes Mal bin ich weiter und weiter, tiefer und tiefer in ein dunkles, kaltes Loch gestürzt. Kaum den Ausweg erkennend, bekommt man nicht gesagt, was an einem gut sei, oder welche Stärken man hat. Sowas wie Feedback ist in der Schulzeit sowieso noch nie vorgekommen. Bereits an sich zweifelnd, sagt dir keiner, dass du trotz alledem ein kluger oder toller Mensch bist. Wobei ich mich Frage, wie wir SchülerInnen die nächsten vier Jahre überstehen sollen, ohne einer Stütze. Ausgequetscht wie ein Luftballon haben die zahlreichen Lockdowns meine Motivation dann auch noch komplett ausgesaugt. Müde, geschwächt und mental am Boden müssen fünf Fächer gleichzeitig gelernt werden. Mathe Schularbeit am Dienstag, der Geschichtstest am Mittwoch, die Deutschüberprüfung am Freitag und wenn das Wochenende endlich näher rückt, heißt es nächste Woche wieder drei Prüfungen. Und wenn das noch nicht genug wäre, steht der VWA-Stress an, ach und drei Wunschprüfungen müssen auch noch irgendwie reingequetscht werden. Fünf Dinge müssen gleichzeitig irgendwie balanciert werden, für die Matura sollte man sich langsam auch mal vorbereiten und die VWA zwischendurch verfasst …mich wundert es ehrlich gesagt nicht, dass die meisten schon früh die Schule verlassen oder keine Lust mehr haben etwas zu tun.

Es gibt drei Arten von SchülerInnen: die einen, die lernen und gute Note bekommen. Oder diejenigen, die nichts lernen, aber gute Noten schreiben. Dann kommen die, die lernen, sich voll reinhängen und nicht mal im Ansatz gute Noten bekommen…Ich persönlich gehöre da leider dazu. Jeden Tag versuche ich meinen Alltag zu bewältigen, zu lernen, gehe wöchentlich zwei- oder dreimal in die Nachhilfe und trotzdem bekomme ich keinen einzigen Erfolg, geschweige denn eine Motivation von den LehrerInnen.

Werde ich nun gefragt, wie die 8te Klasse bisher war, werde ich ehrlich antworten: „Es war das emotionalste und stressigste Jahr überhaupt…ich kann nicht mehr!“ Durch die langen Jahre in der Schule konnte ich eindeutig sehen, dass die Schulzeit einiges in der mentalen Gesundheit kaputt machen kann. Mit Schlafproblemen, Depressionen, Angststörungen, Verlustängsten oder einem geringen Selbstwertgefühl geprägt, sagt keiner „steh wieder auf!“

Als Kind wird man zum Gehen inspiriert, doch sobald das richtige Leben anfängt, wird man eher zum Selbstzweifel angeregt. Die Wichtigkeit von Noten hat sich in unserer Gesellschaft so eingebrannt, dass eine Drei nicht genügend ist und mit einem Fünfer kann man sowieso schon mit dem Schuljahr abschließen.

Wie soll ich zwischen den ganzen Druck und den negativen Feedbacks der Lehrer wieder aufstehen und weitergehen? Wieso bekommen wir keine Stütze?

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